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Deutscher Hospiztag

Was Familien von ambulanter Hospizbgeleitung haben

Immer am 14. Oktober ist der Deutsche Hospiztag. Anne Walter und Diana Sauer berichten, wie sehr die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Hospizdienstes Angeln ihnen und ihren sterbenden Angehörigen geholfen haben.
von Doris Smit – 14. Oktober 2021, 07:00 Uhr

KAPPELN/GELTING |
Als Anne Walter vor rund vier Jahren von dem Befund ihres Mannes Gerhard erfuhr, wusste sie gleich, was auf sie zukommen würde. Sie hatte zum Schluss in Kappeln in einer Pflegeeinrichtung gearbeitet, und die Diagnose Demenz kannte sie daher schon. Das Paar lebte gemeinsam in der
Seniorenwohnanlage Katharinenhof in Gelting, und Anne Walter hatte sich fest vorgenommen, bis zum Schluss für ihren Mann da zu sein. Im Februar diesen Jahres ist er zuhause verstorben.
„Allein hätte ich das nicht geschafft“, sagt Anne Walter (72) heute. Zwar kamen Mitarbeiter der Sozialstation Gelting regelmäßig, und dort war ihr Mann auch zweimal wöchentlich in der Tagespflege untergebracht, aber als die Krankheit ihres Mannes fortschritt, konnte sie ihn keine Minute mehr unbeaufsichtigt lassen.
Auch nachts nicht. „Ich konnte nicht mehr schlafen und musste immer aufpassen, dass alle Türen abgeschlossen waren.“ Sie wandte sich an den Verein Hospizdienst Angeln. Nach kurzer Zeit bekam sie Besuch von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin. „Ich hatte immer gedacht, der Hospizdienst
kommt nur zu Sterbenden, ich wusste nicht, dass sie auch die Familie unterstützen.“
Aber das tat die Begleiterin. Anne Walter konnte in Ruhe einkaufen, mal spazieren gehen, Einladungen annehmen, und ihr Mann freute sich auf den Besuch, bei dem Fotos angeguckt, gelesen, geschnackt und gespielt wurde. Sogar Ausflüge zu dritt haben sie unternommen.
Darüber hinaus half die leitende Koordinatorin des Vereins, Sabine Klattenhoff, dem Paar mit der
Patientenverfügung. „Sie hat uns jede Frage genau erklärt und sich bestimmt zwei Stunden Zeit genommen.“
Jederzeit einen Ansprechpartner haben, dieses Gefühl, im Hospizdienst jederzeit einen Ansprechpartner zu finden, das habe ihr sehr geholfen, sagt Anne Walter. Im Februar dieses Jahres ging es ihrem Mann plötzlich sehr schlecht. Sie rief ihren Arzt an, der kam und bestätigte: „Er stirbt heute nicht, aber er ist auf dem Weg.“ Ins Krankenhaus sollte er nicht, die Palliativversorgung wurde organisiert, die Mitarbeiter der Sozialstation kümmerten sich um Gerhard Walter.
Und die Begleitung war da. „Sie kam jeden Tag, sie hatte selbst das Bedürfnis, sich von ihm zu verabschieden“, beschreibt Anne Walter. Eine Woche später schlief ihr Mann ein. Er war 85 Jahre alt geworden. Das Paar war 42 Jahre zusammen. Für beide war es die zweite Ehe gewesen. „Ich habe so ein Glück mit ihm gehabt. Wir waren total aufeinander fixiert.“
Trotz des Verlustes geht es Anne Walter gut. Weinen müsse sie jetzt nicht mehr: „Das war alles vorher. Ich konnte so gut von ihm Abschied nehmen.“
Und zu der ehrenamtlichen Mitarbeiterin habe sie immer noch täglich Kontakt. „Der Hospizdienst hat mir in der ganzen Zeit eine innerliche Beruhigung gegeben. Das war toll. Ich habe gespendet, weil mir das so geholfen hat.“

Ebenfalls als große Hilfe hat Diana Sauer die Arbeit des Hospizdienstes Angeln empfunden. Ihre Mutter Maria-Helena Sauer wohnte allein in Gelting und erkrankte 2018 schwer. „Ich lebe zwischen Köln und Bonn und konnte nicht ständig bei ihr sein“, beschreibt die Tochter. Ab Mai 2019 kam die
ehrenamtliche Hospizmitarbeiterin Kirsten Lüneberg zu ihrer Mutter, die sich erst ein wenig gegen „die fremde Person im Haus“ sträubte. Aber sie fasste Vertrauen, nahm die Hilfe mehr und mehr an und erkannte darin auch die Chance, so lange wie möglich selbstbestimmt zuhause zu leben.
Maria-Helena Sauer war dankbar für die Hilfe, die sie durch den Hospizdienst Angeln erfahren
hat, berichtet ihre Tochter Diana Sauer.
Als die körperlichen Beschwerden im November 2019 zunahmen, zog Diana Sauer für die verbleibende Zeit nach Gelting. Die Begleitung kam inzwischen zwei- bis dreimal die Woche. „Sie hat uns immer unterstützt und gut geholfen. Wenn meine Mutter auf etwas Besonderes Appetit hatte, hat Kirsten das besorgt“, berichtet die Tochter.
In der letzten Woche sei die Ehrenamtlerin fast jeden Tag gekommen. Auch wurden viele gute Gespräche geführt, Diana Sauer bezeichnet die letzte gemeinsame Zeit als harmonisch. „Meine Mutter und ich waren sehr dankbar für diese Hilfe“, sagt sie.
Maria-Helena Sauer verstarb am 20. Februar 2020 im Alter von 79 Jahren.
Diana Sauer berichtet, dass sie selbst ehrenamtlich in der Trauerarbeit tätig sei und hilfreiche Einblicke in die Sterbebegleitung bekommen habe. „Ich habe viele wertvolle Menschen kennengelernt“, sagt sie und lobt, wie gut die ärztliche Betreuung, der Einsatz von Pflegedienst und Hospizmitarbeitern ineinander gegriffen habe.

Den Deutschen Hospiztag hat der Deutsche Hospiz- und Palliativ-Verband im Jahre 2000 ins Leben gerufen. Er wird in Anbindung an den Welthospiztag, der jeweils am zweiten Sonnabend im Oktober ansteht, jährlich am 14. Oktober begangen.