Auf Vertrauen gebaut

Interview mit Uta Dornburg

Ob im Heimatverein Angeln, beim Schuh- karton voller Freude, im Kirchengemeinderat ihrer Kirchengemeinde, beim Pilgern durch Angeln oder bei ihrem Engagement im Hospizdienst Angeln, Uta Dornburg ist bei allem mit Feuer und Leidenschaft dabei. Eher zufällig hat es sich er- geben, dass nun wir beide miteinander sprechen, um den »Menschen der Nieharde« für diesen Nieharde-Brief kennenzulernen. Und da sind wir, im Querner Gemeindehaus. Ein guter Treffpunkt. Uta, die mit ihrem Ehe- mann, einem Tischler, in Mohrkirch lebt und noch weiter zum nächsten Termin soll und ich, die aus der Redaktionssitzung kommt. Der Kaffee dampft in unseren Bechern und bevor es ans Erzählen geht, trinken wir einen Schluck. Das stellt sich als weise heraus, denn als Uta loslegt von sich zu erzählen, komme ich im Denken kaum hinterher.

Alles kann, nichts muss
Das ist nicht nur der Leitgedanke, mit dem Uta ihre Besuche für den Hospizdienst macht, sondern es begleitet sie überall 4 hin. »Ich kann nichts erzwingen. Ich kann nur mit dem umgehen, was mir gegeben wird«, sagt sie. Und das tut sie, wenn sie sich voller Elan in die Schuhkarton-Aktion einbringt und Menschen direkt anspricht, noch ein Päckchen zu packen: »Das ist doch nicht viel und schwer ist es auch nicht. Eine Kleinigkeit für uns, die am Zielort eine riesengroße Bedeutung haben wird.«* Auch von ihrem Engagement im Heimat- verein Angeln berichtet sie mit kraftvoller Freude. Denn in Angeln ist sie zu Hause. Aufgewachsen in Mohrkirch, hat sie später 15 Jahre in Niesgrau gelebt und in Esgrus geheiratet. »Der Heimatbegriff hat sich grundlegend verändert. Ehemalige Strukturen, die das Gefühl von `Heimat´ prägten, gibt es nur noch wenige. Aber Angeln soll `Heimat´ bleiben, dafür set- zen wir uns im Verein ein.« 2006 suchte Uta nach einer ehrenamtli- chen Aufgabe, die für sie Sinn ergab. Sie fand beim Hospizdienst ihren Platz. Nach einem Kurs, der ihr Informationen und eini- ge Handlungsvorschläge vermittelte, und MENSCHEN IN DER NIEHARDE den ersten Schritten in der Praxis, merkte sie, diese Form des Besuchsdienstes gefalle ihr. Hier lohnt es sich. Im Hospiz- dienst Angeln sind zwei Haupt- und ca. 45 Ehrenamtliche aktiv.

Zeitgeschenke
Uta begleitet jeweils eine Person und da- für gibt es niemals einen festen Plan. Ich komme und sehe, was mich erwartet, ob es schweigen, vorlesen, schnacken, spa- zieren gehen ist. Ob Kaffeetrinken, Briefe schreiben, Fotos sortieren, das alles ergibt sich meist nach den ersten Besuchen, wenn Besucherin und besuchte Person sich vertraut geworden sind. »Gegenüber meinen Anfangsjahren hat sich nicht viel verändert, allerdings nehmen wir jetzt auch die »Zugehörigen« mit in den Blick. Auch mit ihnen ergibt sich manchmal ein Gespräch. Die erkrankte Person und die Familie oder die Freunde und Nachbarn, sie sind ein System, allen wollen wir Zeit schenken.« 

»Ich komme nicht mit dem Tod in der Handtasche…,
aber wer will, hat die Möglichkeit darüber zu sprechen.« Kurz vor ihrem Abitur er- krankte Uta an Krebs und stand selbst vor der Aufgabe, sich »mit der Quintessenz des eigenen Lebens auseinandersetzen zu müssen«. Ihr Engagement im Hospiz- dienst bedeute ihr viel, beschreibt sie: »Ich finde es sinnvoll und wichtig. Es ist meine tiefe Überzeugung, dass das Sterben zum Leben dazugehört und angesprochen gehört. Ich habe die Gabe, mich diesem Thema öffnen zu können, deshalb mache ich es. Da gehöre ich hin.« 

Das Angebot
Wer eine Begleitung durch den Hospiz- dienst Angeln wünscht, meldet sich beim Hospizdienst, telefonisch 04632-218 99 91 oder: info@hospizdienst-angeln.de oder informiert sich auf der Internetseite. Es folgt ein kurzes Gespräch, in dem die Situation beschrieben und, wenn nötig, Informationen zur Palliativsituation geklärt werden. Sabine Klattenhoff, die Verantwortliche, sucht danach eine:n Ehrenamtliche:n für die Besuche aus. 

Am 11. Oktober ist Welt-Hospiz-Tag, der Hospizdienst Angeln wird an diesem Tag mit einem Infostand in Steinbergkirche vor Edeka vertreten sein. Auch da gibt es die Möglichkeit, sich zu informieren. (Weitere Hinweise zu Veranstaltungen des Hospiz- dienstes hinten im Heft) Für das fröhliche und offene Gespräch mit Dir danke ich Dir herzlich, liebe Uta Dornburg! Für Deine vielfältigen Aufgaben wünsche ich Dir Gottes Segen. Astrid Stuckmeyer 

*Hilfe Willkommen!
Am 18. November werden im Gemeindehaus Quern die Pakete für den Transport verpackt.
Infos unter Tel: 04636-976278